Es war ein König in Thule; Gar treu bis an sein Grab

Die nostalgischen, wehmütigen Verse aus Goethes Ballade passen irgendwie zur THULE, nicht nur wegen des Namens: Eine alte maritime Lady, die äußerlich klassisch-elegante auftritt, innerlich jedoch äußerst barocke Werte vorzuweisen hat.

Sie ist das erbaute Traumschiff eines amerikanischen Admirals und ihre Geschichte begann vor weit über 50 Jahren im Jahre 1971 auf der Werft von Abeking & Rasmussen in Lemwerder an der Weser. Hier wurde getuschelt über einen geheimnisvollen Fremden aus Erie, Pennsylvania, der hier ein- und aus ging und hin und wieder mit einem schwarzen Aktenköfferchen gesichtet wurde. Ob darin nun Bootszeichnungen lagen oder Dollarscheine, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls bestätigten sich nach und nach die Gerüchte, dass es sich um Rear Admiral Charles Curtze handelt. Er soll im 2. Weltkrieg für die Sicherheit der US-Pazifikflotte zuständig gewesen sein. Und noch mehr Seemannsgarn besagt, dass er während des Angriffs auf Perl Habour ein Schiff unbeschadet aus dem Hafen gelotst hat. Anschließend sei er jahrelang Kommandeur der Marinewerft in San Francisco gewesen.

Er muss der Geschichte nach zu der Zeit ein berühmter Mann in den USA gewesen sein, als er in der A&R-Schiffswerft auftauchte. Damals wurde er beobachtet von einem Bootsbaulehrling, der viel später eine große Rolle für die THULE spielte. Nun sollt sie aber zunächst gezeichnet und erbaut werden.  Curtze hatte bestimmte Vorstellung von seinem perfekten Schiff – sicher, robust und elegant – als er sich, selber Ende 50, entschied eines zeichnen und bauen zu lassen. Dabei war er offensichtlich fasziniert von Colin Archers Spitzgatter, die er während eines Schüleraustausches in Norwegen in den 20er Jahren kennengelernt hatte. Er wählte den norwegischen Schiffskonstrukteur Henrik Aas und so entstand in Zusammenarbeit die Zeichnung der Thule – deren Bau er schließlich bei A&R in Auftrag beauftragte. Für die Bauphase sei der Admiral wohl extra nach Lemwerder gezogen und tauchte dort des Öfteren mit Änderungswünschen – möglicherweise im schwarzen Köfferchen verstaut – im Büro auf.

1971 überführte Admiral Curtze die THULE mit Freunden in seine Heimat. Allein der Name deutet auf die großen Pläne hin, die der Admiral a.d. mit ihr hatte. Doch es muss ihm immer wieder etwas in die Quere gekommen sein, so dass die THULE ihre rund ersten 40 Jahre fast ausschließlich im Eriesee fristet. Curtze verkauft sie nach 25 Jahren, zunächst an einen anderen Amerikaner. Doch dann, 2008, kommt der frühere Bootsbaulehrling, inzwischen selbst Schiffsbauer und Professor an der FH Kiel, ins Spiel. Rainer Woehl plant mit seiner Frau Ursula eine Weltumseglung und sucht das passende Schiff dafür. Es muss ein ungewöhnlicher Moment gewesen sein, als Wöhl entdeckt, dass dieses Schiff, dass er schon als Lehrling bewundert hat, nun im Eriesee zum Verkauf stand. Die Besichtigung war daher nur Formsache und die Überführung über den Nordatlantik nach Flensburg eine erste Belastungsprobe. Ein durchlebter Orkan schaffte jedoch großes Vertrauen in die THULE und so durfte sie viele Jahrzehnte später doch noch beweisen, wofür sie eigentlich gebaut ist: Für eine sichere, zuverlässige Überquerung der Weltmeere.